Meine These zum Thema Bidi.
Die Verlockung des Bidirektionalen Ladens liegt ja bekanntlich in den verheißenden finanziellen Vorteilen: Laden, wenn’s günstig ist. Entladen und ggf. verkaufen, wenn’s teuer ist. Über einige Jahre wird sich dann hoffentlich die Installation amortisieren. Die Tarife, an die man sich bindet, werden hoffentlich attraktiv sein und bleiben.
Doch ein paar Punkte sollte man bedenken:
- Alle Stimmen, die heute zu hören sind, sprechen von Perspektive, von Chancen, von Möglichkeiten. Doch mit steigendem EE-Ausbau und mehr Großspeichern werden die Phasen von Netzpreisspitzen eher sinken. Damit sinken dann auch die Chancen von Bidi.
- Unsere Gesellschaft wird zunehmend Grünen Wasserstoff nachfragen. Dieser fungiert aus Sicht der Elektrischen Energie wie ein vielseitiger, zeitflexibler Speicher. Auch das wird automatisch die Preisspitzen des Netzstroms kappen: Wenn der verfügbare Strom tendenziell teurer ist, wird man Elektrolyseure temporär zurückfahren, was wiederum die Preise etwas entlastet. Chancen von Bidi schmelzen.
- Niemand der Bidi-Protagonisten macht wirklich einmal eine für den Kunden umfassende, nachvollziehbare, langfristig verbindliche Rechnung auf. Sie sprechen lediglich von voraussichtlichen Chancen ohne jede Verbindlichkeit. Warum ist das wohl so?!
- In vielen Fällen macht ein stationärer Speicher mehr Sinn. Die Installation ist überschaubarer, das Management viel einfacher. Er steht 24/7 bereit und ist nicht unterwegs, wenn der Netz- oder PV-Strom am günstigsten ist. Auch nicht, wenn das Auto zu Zeiten guter Verkaufserträge unterwegs ist. Er nützt sogar dem Fuhrpark zum Laden in Phasen teuren Netzstroms, etwa bei Rückkehr zum Standort am Nachmittag/Abend, wenn er am Tag mit PV-Strom geladen wurde. An den Fahrzeugen werden nur gewöhnliche, günstige, sparsame 11kW-Wallboxen benötigt, die für alle Autos funktionieren.
- Energieverluste durch Laden & Entladen sind nicht zu vernachlässigen. Der gesamte Roundtrip AC-Netz → Autobatterie → AC-Netz hat eine Effizienz von durchschnittlich 85%. Die für 28 ct eingekaufte Kilowattstunde müsste für über 33 ct wieder verkauft werden, anderenfalls ist es ein Verlustgeschäft, von der (sehr geringen) Degradation und dem nicht als Auto nutzbaren Zeitfenster abgesehen. Ein Fahrzeug ist nunmal eine Senke für Elektrische Energie. Hier soll sie Bewegung umgesetzt werden. Dafür ist ein Auto gemacht.
- Weitere offene Fragen: Netzentgelte (wird ja hinlänglich diskutiert), Standbyströme der Infrastruktur die man sonst gar nicht bräuchte, Wartungsaufwand und Probleme durch Ausfälle, etc.
Meine These: Aus den genannten Gründen wird die ehrliche, ökonomisch begründete Rechnung für manche Early Adopters von Bidirektionalem Laden womöglich am Ende nicht aufgehen. Wer sich aber aus ideellen Gründen für diese Technik entscheidet, macht aber per Definition nichts falsch.

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